Wer häufiger an Gitarren oder Bässe lötet, kennt das Gefühl:
Man weiß, welches Kabel wohin gehört, aber nicht unbedingt, warum.
Gerade beim Volume-Poti hält sich hartnäckig die Vorstellung (nach meiner Erfahrung), das Signal würde „durch das Poti laufen“ und dabei leiser werden. Diese Annahme ist nachvollziehbar, aber nicht korrekt.
Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die löten können, aber bisher wenig Berührung mit Elektrotechnik hatten. Ziel ist kein theoretisches Wissen, sondern ein funktionierendes mentales Modell, mit dem sich Schaltungen logisch erklären lassen.
Außerdem geht es in diesem Beitrag nur um die grundlegende Funktionsweise von Volumen-Potis. Tone Poti Schaltungen oder ob 250 kΩ oder 500 kΩ wie klingt, werde ich in einem anderen Artikel ansprechen.
Was ein Potentiometer eigentlich ist
Aber jetzt zum Thema: Ein Potentiometer ist elektrisch betrachtet ein Widerstand mit einem verstellbaren Abgriff. Es besteht aus einer Widerstandsbahn, zwei festen Enden und einem Schleifer, der über diese Bahn fährt. Zwischen den beiden äußeren Anschlüssen liegt immer der volle Widerstandswert, etwa 250 kΩ oder 500 kΩ. Der Schleifer greift irgendwo dazwischen ab und liefert ein variables Signal.
Bis hierhin ist das meist unstrittig. Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht, was ein Poti ist, sondern wie es in Gitarren und Bässen benutzt wird.
Ein Poti ist ein Widerstand mit Abgriff – aber das allein erklärt noch nicht seine Funktion im Instrument.
Der zentrale Denkfehler: Das Signal läuft nicht durch das Poti
Viele stellen sich vor, dass das Signal vom Tonabnehmer durch den Widerstand des Potis fließt und dabei gedämpft wird. Genau so würde ein regelbarer Serienwiderstand funktionieren. In Gitarren und Bässen ist das Volume-Poti jedoch anders verschaltet: nicht als Bremse im Signalweg, sondern als regelbarer Abzweig zur Masse.
Um das wirklich zu verstehen, hilft eine Analogie:
Die Wasser-Analogie: Pumpe, Rohr und Abfluss
Stell dir den Tonabnehmer als eine Wasserpumpe vor. Sobald eine Saite schwingt, beginnt diese Pumpe Wasser zu fördern – das Wasser steht für das elektrische Signal. Von der Pumpe führt ein Rohr direkt zum Verstärker. Alles Wasser, das dort ankommt, wird hörbarer Ton.
Gleichzeitig gibt es aber einen Abfluss nach unten. Dieser Abfluss ist die Masse. Alles Wasser, das dort verschwindet, taucht im Verstärker nicht mehr auf.
Das Volume-Poti sitzt nicht im Rohr zum Verstärker, sondern am Abzweig zum Abfluss. Es entscheidet nicht darüber, wie stark die Pumpe arbeitet, sondern darüber, wie weit der Abfluss geöffnet ist.
Kurz zusammengefasst:
Das Volume-Poti ist kein Dämpfer im Signalweg, sondern ein verstellbarer Abfluss zur Masse.
Was beim Drehen des Volume-Potis passiert
Dreht man das Volume-Poti ganz auf, ist der Abfluss fast vollständig geschlossen. Nahezu das gesamte Wasser fließt zum Verstärker. Der Ton ist laut und klar.
Dreht man das Poti langsam zu, öffnet sich der Abfluss. Ein Teil des Wassers verschwindet nach unten, bevor es den Verstärker erreicht. Der Ton wird leiser, oft auch etwas dunkler.
Bei komplett zugedrehtem Volume ist der Abfluss vollständig offen. Das gesamte Wasser fließt in die Masse. Die Pumpe arbeitet weiter, aber am Verstärker kommt nichts mehr an. Deshalb ist das Instrument still, obwohl der Tonabnehmer weiterhin aktiv ist.
Die Lautstärke ändert sich, weil mehr oder weniger Signal nach Masse abgeleitet wird – nicht, weil der Pickup „weniger arbeitet“.
Die drei Lötfahnen eines Volume-Potis
Ein Volume-Poti hat drei Anschlüsse: zwei äußere Enden der Widerstandsbahn und den Schleifer in der Mitte. In der klassischen Gitarren- und Bassschaltung wird ein äußerer Anschluss mit dem HOT-Signal des Tonabnehmers verbunden, der mittlere Anschluss führt weiter zur Klinkenbuchse, und der andere äußere Anschluss liegt auf Masse.
Wichtig ist dabei ein Punkt, der oft unnötig verunsichert: Es ist egal, welchen der beiden äußeren Anschlüsse man für HOT verwendet. Elektrisch funktioniert das Poti in beiden Fällen identisch. Der einzige Unterschied ist die Drehrichtung. Je nachdem, welchen Anschluss man wählt, wird es im Uhrzeigersinn lauter oder leiser.
Ein „falsch herum“ gelötetes Poti ist also kein elektrischer Fehler, sondern lediglich eine Frage der Bedienlogik. Bei logarithmischen Audio-Potis fällt das stärker auf, weil sich die Regelkurve dann ungewohnt anfühlt. Deshalb gibt es eine übliche Verdrahtungsrichtung, nicht aus technischen, sondern aus ergonomischen Gründen.
Merke: Welches äußere Fähnchen HOT bekommt, ist egal – es ändert nur die Drehrichtung des Reglers.
Was „HOT“ bedeutet
HOT bezeichnet die signalführende Leitung des Tonabnehmers - meist in rot dargestellt. Sie trägt die Wechselspannung, die durch die schwingende Saite im Magnetfeld entsteht. Dabei handelt es sich nicht um eine gefährliche Spannung und auch nicht um „Stromversorgung“, sondern schlicht um das Nutzsignal.
Im Wassermodell ist HOT das Rohr, das von der Pumpe wegführt. Alles, was hörbar sein soll, fließt hier entlang – sofern es nicht vorher im Abfluss verschwindet.
HOT ist also die aktive Signalleitung vom Pickup, nicht mehr und nicht weniger.
Was Masse wirklich ist – und was nicht
Masse ist kein Bauteil, sondern ein gemeinsamer Bezugspunkt. Elektrisch betrachtet ist sie das Nullniveau, praktisch gesehen der Ort, an dem Signal verschwinden darf. In der Wasser-Analogie ist Masse der Abfluss.
Das Potigehäuse wird häufig als Massepunkt verwendet, weil es leitfähig, stabil und gut erreichbar ist. Es ist jedoch nicht „automatisch Masse“, sondern nur dann, wenn es elektrisch mit der restlichen Masse verbunden ist. Ob der Masseanschluss des Potis direkt ans Gehäuse gelötet wird oder per Draht zur Klinkenbuchse führt, ist elektrisch egal – entscheidend ist allein die Verbindung.
Masse ist der Abfluss für das Signal.
Gut zu wissen: Warum alte Potis kratzen
Der Schleifer eines Potis liegt direkt im Nutzsignalweg. Er fährt mechanisch über eine Kohlebahn. Wird diese Bahn mit der Zeit ungleichmäßig, verschmutzt oder abgenutzt, entstehen kleine, sprunghafte Widerstandsänderungen. Diese werden direkt verstärkt und als Knacken oder Kratzen hörbar.
Das Geräusch entsteht nicht, weil „Strom fließt“, sondern weil der Signalweg selbst gestört wird. Je hochwertiger und gleichmäßiger ein Poti gefertigt ist, desto geringer ist dieses Problem.
Potikratzen entsteht, weil der Schleifer Teil des Signalwegs ist und mechanischer Verschleiß hörbar wird.
Fazit
Das Volume-Poti macht ein Instrument nicht leiser, indem es das Signal abbremst, sondern indem es einen einstellbaren Teil davon nach Masse ableitet. Ein signal welches übrigens über die Masse (oder auch einem Widerstand) abgeleitet wird, verwandelt sich in Wärme - das ist aber kaum Messbar. Wer Masse als Abfluss versteht und HOT als das signalführende Rohr, kann Gitarren- und Bassschaltungen plötzlich logisch lesen statt sie auswendig zu lernen.
Dieses Verständnis ist die Grundlage für alles Weitere – etwa für den Tone-Regler, bei dem gezielt bestimmte Frequenzen über einen Kondensator nach Masse geschickt werden. Genau darum wird es im nächsten Artikel gehen.














